Montag, 10. Oktober 2016

"Der unerledigte Gobelin", Werkschau der Klasse Malerei/Textile Künste, 13.10 - 20.11.2016, Burg Galerie im Volkspark, Halle/Saale





Die Ausstellung Der unerledigte Gobelin präsentiert vom 13. Oktober bis 20. November 2016 in der Burg Galerie im Volkspark zeitgenössische Tapisserien, Jacquardgewebe, Stickereien, Wandmalereien, aber auch textile Plastiken, Videoarbeiten in Auseinandersetzung mit dem Textilen sowie Malerei und Zeichnungen der Klasse Malerei/Textile Künste von Prof. Ulrich Reimkasten. Es werden Arbeiten von Studierenden, Absolventen und Lehrenden aus den letzten zehn Jahren gezeigt und drei Schwerpunkte der Lehre thematisiert – der Architekturbezug von Kunst, textile und ornamentale Prinzipien und die räumlich-malerische Qualität von Farbe. „Der Gobelin ist historisch eng verbunden mit der Entwicklung der Gattungen Architektur und Malerei. Diese heute fast vergessene Schnittstelle, die europäische Bildteppiche ausfüllen sowie das Fortwirken dieser Beziehung in der zeitgenössischen Kunst wollen wir mit der Ausstellung nachdrücklich zum Thema machen“, erklärt Prof. Reimkasten, der seit 1995 in der Studienrichtung Malerei/Textile Künste an der Kunsthochschule lehrt. Darauf nimmt auch der Titel der Ausstellung Bezug.

Zugleich stellt sich die Ausstellung in den Kontext des Textilen Herbstes 2016 in Halle (Saale), der sich mit dem Werk des französischen Künstlers Jean Lurçat (Kunstverein Talstraße e.V.) und seiner Wirkung auf die mitteldeutsche Gobelinproduktion beschäftigt (Kunstmuseum Moritzburg). 




"Hände 1", Lisa Reichmann, Handstickerei, 42 x 64 cm, 2015, Foto: Sascha Linke




Die umfangreiche Präsentation in der Hochschulgalerie, die rund 60 Arbeiten ausstellt, untersucht das heutige Verhältnis vom gewebten und vom gemalten Bild zur Architektur und verdeutlicht den Zusammenhang zwischen zeichnerischen Strukturen und textilen Ordnungen. Sie zeigt am Beispiel innovativer Materialien die Fortführung der alten Kulturtechnik des Bildteppichs und dessen künstlerische Entwicklung in der Gegenwart. Die verschiedenen Arbeiten spiegeln dabei ein breites künstlerisches Spektrum wider und verweisen auf die lange Tradition der Textilkunst an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Heute stellt die BURG den einzigen Studienstandort für textile Künste bundesweit dar und führt künstlerische Traditionen der Moderne – beginnend in den Wiener Werkstätten – weiter fort. „Die Ausstellung zeigt nicht nur den aufwändigen Schaffensprozess und den immensen zeitlichen wie materiellen Aufwand von künstlerischen Textilwerken auf, sie verdeutlicht mit ihrer Vielfalt auch die an der BURG überaus lebendige Tradition dieser bildmächtigen Ausdrucksform“, sagt Burg-Rektor Prof. Dieter Hofmann. 



"Worauf warten Sie hier?", Franziska Friese, Gobelinkarton, 300 x 500 cm, 2011




Ausgehend von dem 1982 an der Staatlichen Textil- und Gobelinmanufaktur Halle realisierten Gobelin Fest der Lebensfreude von Ulrich Reimkasten wird anhand von verschiedenen Bildteppichkartons, Zeichnungen und Malerei seiner Studierenden der umfangreiche Prozess vom Entwurf zur Umsetzung heutiger Gobelins vorgestellt. Ein anderer Schwerpunkt der Werkschau ist es, die technische und damit künstlerische Weiterentwicklung am Beispiel von Arbeiten zu zeigen, die am Jacquardwebstuhl entstanden sind. So wird ein 8,50 Meter langes Teilstück der monumentalen Tapisserie Luthers letzte Reise zu sehen sein, die 2014 von Ulrich Reimkasten, Katharina Stark, Andreas Köppe und Soo Youn Kim als Auftragsarbeit für die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt geschaffen wurde. In Kombination mit der Patrone, der technischen Zeichnung, wird das binäre Verfahren des Jacquardwebens deutlich gemacht.
Freie Experimente mit dem Textilen werden genauso gezeigt wie angewandte Arbeiten, beispielsweise die Totentücher für das Krankenhaus St. Elisabeth & St. Barbara in Halle (Saale). Ein Animationsfilm wird die Arbeitsweise der Klasse, die in Drittmittelprojekten mit Architekturbezug viele Erfahrungen sammelt, überraschend in Szene setzen.

Die Ausstellung wird gefördert durch SEPIA – Institut für Textile Künste e.V., ein An-Institut der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. 



"Der Ort der unausgesprochenen Worte II", Rebekka Rauschhardt, Textil genäht, 280 x 268 cm, 2010



Symposium Perspektiven der textilen Künste
Im Rahmen der Ausstellung findet am Freitag, 18. November 2016, das international besetzte Symposium Perspektiven der textilen Künste in der Burg Galerie im Volkspark und im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) statt.
Darin geht es zum einen um eine Positionsbestimmung dessen, was heute unter Textilkunst, dem textilen Bild oder der Arbeit mit Textil in der zeitgenössischen Kunst verstanden wird. Zum anderen werden neue kulturelle Forschungsfragen, kunsthistorische Beispiele und traditionelle Betätigungsfelder einer alten Kulturtechnik vorgestellt. Es sprechen Prof. Anna Goebel, Poznan; Prof. Felix Haspel, Wien; Via Lewandowsky, Berlin; Dr. Friedrich Meschede, Bielefeld; Dr. Birgit Schneider, Potsdam; Dr. Beat Stutzer, Chur.
Den Festvortrag hält der Berliner Kunsthistoriker und Kurator Dr. Eckhart Gillen am Freitag, 18. November 2016 um 19 Uhr in der Moritzburg. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
Das Symposium wird am Samstag, 19. November 2016, für Fachgäste und Experten, unter anderem mit gemeinsamen Ausstellungsbesichtigungen und Diskussionen, fortgesetzt. Eine Anmeldung unter reimka@burg-halle.de ist hierfür nötig. 



Der unerledigte Gobelin – Werkschau der Klasse Malerei/Textile Künste der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Ausstellungdauer:
13. Oktober bis 20. November 2016
Eröffnung
: Mittwoch, 12. Oktober 2016, 18 Uhr
Pressekonferenz: Mittwoch, 12. Oktober 2016, 10 Uhr
Ort: Burg Galerie im Volkspark, Schleifweg 8 a, 06114 Halle
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 14 bis 19 Uhr
Eintritt: Der Eintritt ist kostenfrei.
Weitere Informationen: http://www.burg-halle.de/hochschule/hochschulkultur/burg-galerie/