Montag, 15. Januar 2018

"Monkey Business" - Textile Arbeiten von Beate Passow, 13.12.2017 - 01.04.2018, tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg


Wall Street mit russischem Bären, Beate Passow, 2017, Foto: Jürgen Branz

Sonderausstellung im tim zeigt Werke der Gabriele-Münter-Preisträgerin 2017 Beate Passow

Es sind eigenartige Tiere, rätselhafte Fabelwesen und mythische Figuren, die den fünfteiligen Bilderzyklus von Beate Passow bevölkern. Auf den Bildern der Münchner Künstlerin, die im Frühjahr 2017 mit dem renommierten Gabriele Münter Preis ausgezeichnet worden ist, entdeckt der Betrachter merkwürdige Szenen. Mal sitzt ein Berberaffe gleichgültig auf einem martialischen Kanonenrohr auf Gibraltar, mal bespringt unweit der New Yorker Börse ein mächtiger Bär von hinten einen kolossalen Bullen und ein andermal posieren sehr menschlich wirkende Füchse wie Touristen für ein Gruppenfoto vor dem Brüsseler Atomium. In weiteren Motiven versucht ein Minotaurus, in der ruinösen Kulisse von Knossos eine nur spärlich bedeckte junge Frau zum Liebesspiel zu verführen, und ein skelettierter Zentaur schreitet – wie nach getaner Arbeit – über zertrümmerte Flüchtlingsboote in Lampedusa hinweg. 

Wall Street mit russischem Bären (Detail), Beate Passow, 2017, Foto: Jürgen Branz

Unter dem Titel „Monkey Business“ erkundet Passow, deren Kunst immer eine politische Dimension eignet, Gründe und Abgründe des gegenwärtigen Europa – eines Kontinents, der in seinen Fundamenten erschüttert, der aus den Fugen geraten erscheint. Einst als Hort der Demokratie, Humanität und Kultur gefeiert, sieht Passow das heutige Europa offenbar geprägt von einer militärischen Abwehrhaltung an seinen Grenzen, von einem durch und durch korrumpierten Kapitalismus und von einem immer schamloser auftretenden Neonazismus. Die Künstlerin konstatiert zudem einen in die Leere gehenden Eros zwischen den – nur mehr – selbstgefälligen Geschlechtern sowie eine zynische Flüchtlingspolitik, die den Tod vieler Hilfesuchender im Mittelmeer billigend in Kauf nimmt. 

Gibraltar, Beate Passow, 2017, Foto: Jürgen Branz


Erst bei genauerem Hinsehen lässt sich erkennen, dass Passow ihre in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder, die wie Fotomontagen wirken, als raffinierte Tapisserien ausgeführt hat. Entstanden ist eine eindringliche Mythologie des 21. Jahrhunderts, die in ihrer narrativen Anlage die große abendländische Tradition der Tapisserie radikal unterläuft. Die Künstlerin wendet somit eine ehedem auf Repräsentation zielende Kunstgattung, die doch der Heldenerzählung, dem Herrscherlob, der Illustration biblischer Geschichten oder Darstellung pastoraler Szenen vorbehalten war, in ihr kritisches Gegenteil. Passows Fabelwelt der Gegenwart hinterfragt pointiert herrschende Systeme, ökonomische Strukturen und politische Bewegungen. Und am Ende hat nur noch eine paradoxe Moral Bestand: Dass es bei all dem faulen Zauber („Monkey Business“), der Europas Politik und Gesellschaft am bedrohlichen Abgrund zeigt, keine Moral mehr gibt.

„Monkey Business – Textile Arbeiten von Beate Passow“
13.12.2017 bis 01.04.2018

Öffnungszeiten: 
Dienstag bis Sonntag 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr;
montags geschlossen

Der Eintritt zur Sonderausstellung „Monkey Business“ ist frei!

tim | Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg
Provinostraße 46
86153 Augsburg

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