Mittwoch, 24. April 2019

"Joana Vasconcelos – MAXIMAL", 07.04 - 04.08.2019, Max Ernst Museum Brühl des LVR, Brühl


Joana Vasconcelos, Pantelmina #3 (Nr. 3), 2004, handgefertigte Wollstrick-arbeit, industriell gefertigter Stoff, Spanngurte, Polyester, 175 x 600 x 70 cm, Sammlung der Künstlerin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Courtesy Galerie Scheffel


Das Max Ernst Museum Brühl des LVR zeigt ab dem 7. April die erste Einzelausstellung der portugiesischen Künstlerin Joana Vasconcelos (*1971) in einem Museum in Deutschland. Es werden Objekte und Installationen aus den letzten 20 Jahren präsentiert, die umfassende Einblicke in die Arbeitsweise von Joana Vasconcelos vermitteln. Die in Lissabon lebende und arbeitende Künstlerin ist bekannt für ihre raumgreifenden Werke, mit denen sie die Grenzen zwischen Tradition und Moderne, Hoch- und Alltagskultur, Kunsthandwerk und Industrieproduktion anspielungsreich auslotet.

Joana Vasconcelos, Purple Rain, 2017, Keramikurinale, handgefertigte Woll-häkelarbeit, 40 x 58 x 30 cm, Sammlung der Künstlerin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: © Unidade Infinita Projectos


Internationales Aufsehen erregte sie erstmals 2005 auf der Biennale von Venedig mit ihrer Arbeit Die Braut (A Noiva), einem monumentalen, aus tausenden Tampons gebildeten Kronleuchter. 2012 wurde sie als erste Künstlerin zu einer Einzelausstellung im Schloss Versailles eingeladen.
In ihren großformatigen Arbeiten verwendet Joana Vasconcelos häufig Alltagsgegenstände, die sie
verfremdet, umdeutet und zu einer eigenen Art von surrealer Objektkunst verbindet. Dabei setzt sie
unterschiedliche Materialien wie Fliesen, Keramiken und Stoffe ein und nutzt traditionelle Handarbeitstechniken wie Häkeln, Nähen und Stricken. In ihrem Atelier entstehen in farbige Garnnetze eingehüllte Einrichtungsgegenstände oder voluminöse Stoffwesen, sogenannte „Walküren“, mit denen sie international bekannt wurde.


Joana Vasconcelos, Matilha (Rudel) und Passerelle (Laufsteg), Installations-ansicht, 2005, 10 Fayence-Hunde, handgefertigte Baumwollhäkelarbeit, verschiedene Maße, Fundación Helga de Alvear, Madrid/Cáceres und Fayencen, metallisiertes und thermo-lackiertes Eisen, Motor, Bedienfeld, Fußschalter, 230 x 366 x 205 cm, EDP Foundation Art Collection, Lissabon, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: Jürgen Vogel für das Max Ernst Museum Brühl des LVR


Vielfach greift die Künstlerin in ihren Arbeiten populäre Motive und ikonische Symbole der Volkskunst auf. Dabei behandeln ihre Werke Fragen von kultureller Identität und Geschlechterrollen und zeigen Berührungspunkte zu künstlerischen Strategien, die auch Max Ernst und die Surrealisten inspirierten. Installationen wie Rotes unabhängiges Herz (2013), bei der sich ein überdimensionales Herz aus durchscheinendem Plastikbesteck zu portugiesischer Fadomusik dreht, machen diese Ansätze deutlich, ebenso Arbeiten wie Carmen Miranda (2008), ein massiver, aus Kochtöpfen zusammengeschweißter High Heel, der in der ständigen Sammlung mit Werken von Max Ernst im „Tanzsaal“ des Museums in einen spannungsreichen Dialog mit Max Ernsts Großplastik Capricorne tritt.

Joana Vasconcelos, Big Booby #3 (Nr. 3), 2016, handgefertigte Wollhäkelar-beit, industriell gewebter Stoff, Polyester, rostfreier Stahl, 256 x 256 x 70 cm, Sammlung der Künstlerin, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Foto: © Unidade Infinita Projectos


Die Überblicksausstellung zum Werk von Joana Vasconcelos entstand in enger Zusammenarbeit mit
der Künstlerin und ihrem Studio in Lissabon und ist vom 7. April bis zum 4. August in Brühl zu sehen. Der Titel der Schau „MAXIMAL“ bezieht sich nicht nur auf Max Ernst, sondern auch auf die besondere Größe der Werke von Joana Vasconcelos. Begleitend zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der alle ausgestellten Werke abbildet und die Installationsansichten vor Ort zeigt. Die Publikation mit über 200 Seiten und ca. 100 Abbildungen und Installationsansichten enthält Beiträge von Patrick Blümel, Achim Sommer, Joana Vasconcelos, Friederike Voßkamp und Jürgen Wilhelm. Sie ist als gebundene zweisprachige Museumsausgabe (Deutsch/Englisch) zum Preis von € 39,90 ab Mai 2019 im Museumsshop erhältlich.


JOANA VASCONCELOS – MAXIMAL
7.4. – 4.8.2019

Max Ernst Museum Brühl des LVR
Comesstraße 42 / Max-Ernst-Allee 1
50321 Brühl

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag: 11 – 18 Uhr
Montag geschlossen

Eintrittspreise
Erwachsene 10,50 € | ermäßigt 6,50 €

Mehr Informationen unter:
www.maxernstmuseum.lvr.de

Dienstag, 23. April 2019

"Hellen Nabukenya - "Tuwaye – Let’s talk" ", 23.3. - 12.5.2019, Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus


Blick in die Ausstellung „Hellen Nabukenya. Tuwaye – Let’s talk“, 2019, © BLMK


Ein weiter, textiler Grund, bunt oszillierend, mal folkloristisch durchmustert in seinen Details – punktuell akzentuieren einfarbige Felder die Fläche und bieten dem Auge Halt. Ergänzt wird das vibrierende, stoffliche Rechteck um mehrere kleinere Teppiche gleicher Machart. In ihrer farblichen Dominanz sind sie deutlich ruhiger, aber durch ihre insularen Umrisse lockern sie die Starre des rechteckigen oder runden Formats auf.

Die Künstlerin Hellen Nabukenya (geb. in Jinja, Uganda) bewegt sich mit ihren erstmals in Deutschland gezeigten Arbeiten auf der Grenze von Kunst und Kunsthandwerk: Sie fertigt aus afrikanischen Stoffen Teppiche, Kleidung und Accessoires. In ihren raumgreifenden Installationen aus Alttextilien für den Innen- und Außenraum realisiert eine Gruppe von Frauen nähend und knüpfend H. Nabukenyas Entwürfe. Auch für Gyetuva [Woher wir kommen] vermittelte die Textilkünstlerin in ihrem Open-Air-Atelier in Kampala dem weiblichen Kollektiv die Handfertigkeiten des Nähens und Knüpfens. Den Frauen gab sie damit – neben dem eigenständigen Gelderwerb – eine befriedigende, sinnhafte Tätigkeit und somit eine Strategie der Selbstermächtigung an die Hand.


Blick in die Ausstellung „Hellen Nabukenya. Tuwaye – Let’s talk“, 2019, © BLMK


H. Nabukenyas Arbeiten machen dem Betrachter ein Angebot: Tuwaye – Let’s talk. Sie laden ein, den Gesprächsfaden aufzunehmen, der sich schon im von Gesängen begleiteten Arbeitsablauf zwischen den Frauen entspann. Das Betreten der Teppiche ist notwendig, um sich nieder- und dann einzulassen auf die sechs Lebens- und Erwerbsgeschichten der Frauen. Aufgenommen wurden diese in der in Uganda weit verbreiteten Bantusprache Luganda, dann ins Englische und schließlich ins Deutsche übersetzt. Transfer ist dem textilen Kunstwerk von Beginn an in seinem Werden bis hin zur Installation und Vermittlung als Prinzip eingeschrieben.

Der Künstler Matthias Körner (geb. 1954 in Cottbus) arbeitet seit 2005 immer wieder mit der Künstlerin H. Nabukenya zusammen, ab 2013 rückte der künstlerische und dokumentarische Film in den Fokus seines Interesses. Für die Präsentation in Cottbus begleitete er filmisch eine allein erziehenden Mutter und ihre sechs Kinder in ihrem Alltag – unter anderem auch während der Tätigkeit bei Hellen Nabukenya.


Hellen Nabukenya, Cyetuva (woher wir kommen), Detailfoto, 2015-2018, Textilreste,
Sisal, © Künstlerin



Hellen Nabukenya - "Tuwaye – Let’s talk" 
23.3. - 12.5.2019

Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst | Cottbus
Dieselkraftwerk | Uferstr. / Am Amtsteich 15,
03046 Cottbus

Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag 10 bis 18 Uhr
Montag geschlossen

Mehr Informationen unter:
https://www.blmk.de/


Mittwoch, 3. April 2019

"Im Angesicht der Zeit", Andrea Milde, 06.04. - 12.05.2019, Tuchmacher Museum Bramsche

Andrea Milde, 2017, Bildwirkerei. Kette: Baumwolle /
Schuss: Wolle, Baumwolle, Leinen, Metallgarne, Seide.
Herstellung: 2015-2017, 190x150 cm (Foto: Andrea Milde)


Die Berliner Künstlerin Andrea Milde widmet sich seit 30 Jahren der Bildwirkerei – einer komplexen Textiltechnik, die schon in der Antike bekannt war und ihren Höhepunkt im Spätmittelalter erlebte. Durch aktuelle Inhalte ihrer Arbeiten die Bildwirkerei in die Zukunft zu tragen und ihr Wissen weiter zu geben, ist ein großes Anliegen von Andrea Milde. Die Ausstellung „Im Angesicht der Zeit“ gibt einen Einblick in das Werk und die Arbeitsweise der Künstlerin, die am Freitag, 5. April, um 19 Uhr eröffnet wird und bis zum 12. Mai im Tuchmacher Museum Bramsche zu sehen ist.
„Die klassische Bildwirkerei“, so Andrea Milde über die von ihr angewandte Kunsttechnik, „ist verwand genug mit der Weberei, um oft mit ihr verwechselt zu werden, aber doch ganz unterschiedlich, was den Entstehungsprozess anbelangt.“ Bei der Wirkerei werden die Schussfäden nur bis zum Rand der im Muster vorgegebenen Farbfläche hin- und zurückgewirkt, während sie bei der Weberei durch die gesamte Webebreite, von einer Kante zur anderen eingeschossen werden. In langwieriger Handarbeit entstehen kunstvolle, gewirkte Bilder. Bei aller Unterschiedlichkeit der Motive in den Arbeiten von Andrea Milde sind es vor allem zwei Themen, die sie immer wieder bewegen: „Die Dimension Mensch und die Dimension Zeit. Beides wird gerade in der Weberei (er)fassbar. Bei den Inhalten meiner Bildwirkereien geht es in wenigen Worten gesagt darum, wie ein Mensch als Frau, Mutter und Nomadin die Welt wahrnimmt, wo es sie freut, und wo es sie schmerzt hinzusehen.“
Andrea Milde lebte und arbeitete nach ihrer Ausbildung an der renommierten École nationale d’art décoratif d’Aubusson (Frankreich) als freischaffende Künstlerin in Spanien, bevor sie 2017 nach Deutschland zurückkehrte. Ihre Arbeiten waren bereits in vielen europäischen Ländern, Japan, Kanada und USA zu sehen.

Im Angesicht der Zeit
Andrea Milde – Bildwirkerei
06.04.2019–12.05.2019, Ausstellung im Tuchmacher Museum Bramsche
Ausstellungseröffnung
Freitag, 05.04.201, 19.00 Uhr
Begrüßung: Kerstin Schumann, Museumsleiterin
Einführung: Annette Hülsenbeck, Textil- und Bekleidungswissenschaftlerin
Musik: Petra Heuer, Querflöte


Workshop zur Ausstellung
Freitag, 03. 05.2019, 17.00 – 20.00 Uhr,
Samstag & Sonntag, 04. & 05.05.2019, 10.00 – 16.00 Uhr
Tausend Blumen Weben
Begleitprogramm zur Ausstellung „Im Angesicht der Zeit“
Von der Akelei bis zum Zauberglöckchen – Blumen waren als Färberpflanzen und symbolische Bedeutungsträger ein wichtiges Thema in der Bildweberei. Auf den Spuren dieser Tradition wollen wir uns durch die Blumenpracht im Frühling inspirieren und die Idee des Tausendblumenteppichs wieder aufleben lassen. Auf mobilen Webrahmen werden wir kleine Bildteppiche weben – wenn das Wetter es erlaubt, auch draußen auf der Wiese. Der Workshop mit der Bildweberin Andrea Milde ist sowohl für AnfängerInnen als auch für TeilnehmerInnen mit Vorkenntnissen geeignet.
Kosten: 90,00 Euro zzgl. 15,00 Euro Materialkosten
Verbindl. Anmeldung bis zum 18.04.2019: Tel. 0 54 61/94 51-0 oder E-Mail: info@tuchmachermuseum.de


Tuchmacher Museum Bramsche
Mühlenort 6 
49565 Bramsche

Mehr Informationen unter:

Sonntag, 31. März 2019

"Chiharu Shiota - Gedankenlinien", 31.03. - 16.06.2019, Museum Sinclair Haus, Bad Homburg


Chiharu Shiota, Beyond Time, Yorkshire Sculpture Park, 2018© Chiharu Shiota und VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Jonty Wilde


Spätestens seit der raumfüllenden Installation aus roten Wollfäden, verwoben mit alten Booten, die Chiharu Shiota 2015 auf der Biennale in Venedig zeigte, ist die japanische Künstlerin weltweit bekannt. Mit ihrer Arbeit „The Key in den Hand“ bespielte sie dort den japanischen Pavillon. Die in Berlin lebende Künstlerin erschafft mit unzähligen Fäden kleine oder sogar raumfüllende Netzinstallationen. Sie umspinnt damit Alltagsgegenstände, die für sie Ausdrucksträger menschlicher Handlungen sind und Vergessenes in Erinnerung rufen, wie das Stahlgerüst eines Klaviers, Boote oder auch Kleider. Das Museum Sinclair-Haus gibt mit der umfassenden und retrospektiven Einzelausstellung CHIHARU SHIOTA – Gedankenlinien ab 31. März einen Einblick in das breite Spektrum des Schaffens der Künstlerin.

„Der Faden verkörpert unterschiedliche Beziehungsstadien, indem er verknotet, verwickelt und gekappt wird“, sagt Chiharu Shiota über Ihr Werk. Die Fäden und ihre Verflochtenheit sind für Shiota zudem ein Zeichen für die Ausdehnung des Lebens über den Köper hinaus, wie in Schlaf und Traum, in Gedanken und Imagination – unsichtbare Verknüpfungen, die sie mit ihren Netzen sichtbar macht. Das Museum Sinclair-Haus zeigt neben den Installationen auch Zeichnungen, Videos und Fotografien der Künstlerin, die zunächst Malerei in Koyto studierte. In Berlin beendete sie ihr Kunststudium als Schülerin von Marina Abramović, die der jungen Künstlerin riet, mit verschiedensten Ausdrucksformen zu experimentieren.


Chiharu Shiota, Drifting, 2019 
© Chiharu Shiota und VG Bild-Kunst, Bonn 2019



So begann sie Wasser, Feuer und Erde in ihren Werken zu verwenden. Die in der Ausstellung gezeigte Arbeit „Try and Go Home“ dokumentiert eine Performance, in der sie Erde auf ihre Haut auftrug, sich in ein Erdloch legte und dort vier Tage lang fastete. Die Fragilität des Körpers und die Verunsicherung durch körperliche Erfahrungen spiegeln sich in dieser Arbeit Chiharu Shiotas wider. Die Ausstellung im Museum Sinclair-Haus in Bad Homburg gibt vom 31. März bis zum 16. Juni einen Einblick in den vielschichtigen schöpferischen Kosmos und in die poetische Bildsprache der Künstlerin.

Das umfangreiche Begleitprogramm lädt zu besonderen Führungen, Workshops im museumseigenen Atelier, Literatur, Musik und Tanz ein: so gibt es u.a. ein Konzert mit der Harfenistin Daphné Milio, einen Tanzabend rund um den „Faden der Ariadne“ und einen philosophischen Streifzug.


Museum Sinclair-Haus
Löwengasse 15
 Eingang Dorotheenstraße 
61348 Bad Homburg v.d. Höhe

Öffnungszeiten:
Dienstag, 14-20 Uhr, 
Mittwoch bis Freitag 14-19 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10-18 Uhr

montags geschlossen

Mehr Informationen unter:
www.museum-sinclair-haus.de

Freitag, 29. März 2019

"Die Schwerkraft der leichten Materialien...", 31.03. -14.04.2019, Cabinett, Düsseldorf

Ulrike Kessel, Kaskade rot-weiß, 2018

"Die Schwerkraft der leichten Materialien durch Gewebtes, Gestricktes, Gewirktes, Besticktes, die als Weltumspannende Notwendigkeit entstanden sind, ähnlich den Verwebungen, Verflechtungen und Wachstumsformationen in der Natur, zieht Massen an"

ausstellende KünstlerInnen:

Tomasz Paczewski
Gisela Happe
Ulrike Kessl
Hans-Peter Hepp
Andrea Dietrich

Ausstellungseröffnung: 30.03. um 18 Uhr im Cabinett

Cabinett
Gustav Poensgen Straße 59
40215 Düsseldorf


Öffnungszeiten: Fr, Sa, So 15 - 18 Uhr und nach Vereinbarung

Sonntag, 24. März 2019

"Vier "Bauhausmädels"", 23.03. - 16.06.2019, Angermuseum, Erfurt


Ausstellungsansicht, ©Stadtverwaltung Erfurt


Als zentralen Beitrag der Landeshauptstadt anlässlich des Bauhaus- Jubiläums präsentiert das Angermuseum Erfurt die Ausstellung „Vier Bauhausmädels“. Gertrud Arndt, Marianne Brandt, Margarete Heymann und Margaretha Reichardt stehen im Mittelpunkt dieser Schau. Die Eröffnung findet am Samstag, dem 23. März, um 16 Uhr statt.

Für seine Schülerinnen repräsentierte das Staatliche Bauhaus eine entscheidende biografische Weichenstellung. Ungeachtet der schwierigen Stellung von Frauen am Bauhaus ging für sie der Eintritt in die in ihrer Zeit modernste künstlerische Ausbildungsstätte mit einem Bruch zahlreicher gesellschaftlicher Konventionen einher und war ein markantes Zeichenweiblicher Emanzipation. In dem Artikel „Mädchen wollen etwas lernen“ der Zeitschrift „Die Woche“ (1930) wurde der selbstbewusste Typus des„Bauhausmädels“ attraktiv in Szene gesetzt.

Das Projekt im Angermuseum thematisiert das Bauhaus als Möglichkeitsraum für die künstlerische und persönliche Entfaltung der weiblichen Jugend. Doch verfolgten die „Bauhausmädels“ nach ihrem Ausscheiden aus dem Bauhaus recht unterschiedliche Karrierewege: Wege der Selbstbehauptung in der freiberuflichen Ausübung ihrer gestalterischen Tätigkeiten, aber auch solche, die nicht oder nur zum Teil an die im Bauhaus erlernten und eingeübten Konzepte selbstbestimmter, moderner, international vernetzter Kreativität anschlossen und genauso wenig automatisch von Erfolg gekrönt waren.

Die Ausstellung befragt die damalige Euphorie aus der sicheren Entfernung einiger Jahrzehnte und mit dem Wissen um die späteren Schicksale nicht nur der weiblichen Bauhausangehörigen. Exemplarisch nimmt sie die Lebenswege von Gertrud Arndt, Marianne Brandt, Margarete Heymann und Margaretha Reichardt in den Blick. 


Rockstoff, ©Nachlass Margaretha Reichardt, Gisela Kaiser, Erfurt 2018


Die Werke dieser Künstlerinnen repräsentieren zugleich die am Bauhaus wichtigen Gewerke Fotografie, Metall, Keramik und Textil, und jede ist in einer wichtigen Phase ihrer Biografie mit Thüringen verbunden: Gertrud Arndt verbrachte große Teile ihrer Jugend in Erfurt und lebte später mit ihrem Gatten Alfred Arndt, der wie sie am Bauhaus Dessau studiert hatte und ein Architekturbüro in Probstzella führte, am südlichen Rand des Thüringer Waldes; 
Marianne Brandt trat schon in das Weimarer Bauhaus ein und fand später in den Gothaer Ruppelwerken ihre erste feste Stelle nach dem Ausscheiden aus dem Dessauer Bauhaus; 
Margarete Heymann gehörte 1920 zu den ersten jener selbstbewussten jungen Frauen, die sich um die Aufnahme an das Bauhaus in Weimar bewarben, und sorgte mit ihrem fulminanten Abgang aus der Keramikwerkstatt in Dornburg/Saale für einen Markstein des weilblichen Aufbruchs jener Tage; 
die gebürtige Erfurterin Margaretha Reichardt schließlich kehrte nach ihrem Studium am Dessauer Bauhaus 1933 in die Thüringer Metropole zurück, wo sie als selbstständige Gestalterin und Weberin eine Handwebereiwerkstatt aufbaute und über 50 Jahre hinweg erfolgreich betrieb.

Die Absolventinnen des Bauhauses nahmen unterschiedliche Karrierewege. In der Ausstellung wird deutlich, wie die vier ausgewählten Frauen am Bauhaus in Weimar und Dessau partizipierten und später das dort vermittelte Konzept der Verbindung von Handwerk, Kunst und Technik inihre jeweils eigene „Sprache“ als Gestalterinnen übersetzten. Die Biografien wurden getragen von der Vision, einen kreativen Beruf auszuüben, sich unabhängig und selbstständig zu machen. Nicht in jedem Fall wurde das Wirklichkeit.
Die Ausstellung im Erfurter Angermuseum präsentiert über 335 Objekte aus zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen und Archiven und vermittelt anschaulich die künstlerischen Wege der ausgewählten Gestalterinnen aus der Zeit am Bauhaus und danach.

Zur Ausstellung erscheint ein etwa 300-seitiger Katalog im Sandstein Verlag Dresden, herausgegeben von Patrick Rössler, Elizabeth Otto, Kai Uwe Schierz und Miriam Krautwurst.
Dank gilt den Förderern Thüringer Staatskanzlei, Sparkasse Mittelthüringen, Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, SV SparkassenVersicherung, Ernst von Siemens Kunststiftung und Hotel Zumnorde, Erfurt.

Ein umfangreiches Programm begleitet die Schau. Die erste Veranstaltung steht am Dienstag, dem 26. März 2019, 18 Uhr auf dem Plan. Dr. Elizabeth Otto spricht in ihrem Vortrag über „Bauhaus-Feminities in Transformation“. Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Elizabeth Otto ist Kunsthistorikerin, Bauhausspezialistin und Autorin und Mitherausgeberin des Ausstellungskatalogs.


Angermuseum Erfurt
Anger 18
99084 Erfurt

Öffnungszeiten:
Di - So 10 -18 Uhr

Ostermontag 22. April 10 -18 Uhr
Pfingstmontag 10. Juni 10-18 Uhr

Mehr Informationen unter:

Donnerstag, 14. März 2019

"And Berlin will always need you", Handwerk und Konzept Made in Berlin, 22.03. - 16.06.2019, Martin-Gropius-Bau, Berlin



Nevin Aladağ, Paravent, Social Fabric #1, 2012 Collage mit Teppichen, 250 × 552 × 4 cm, 
Foto: Trevor Good, Foto Courtesy: die Künstlerin & Wentrup, Berlin


Vom 22. März bis 16. Juni 2019 lädt der Gropius Bau ein, die Bedeutung manueller Arbeitsprozesse und das Konzept von Handwerk in der zeitgenössischen Kunstszene Berlins zu erkunden. Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Geschichte des Gropius Bau, der einst als Kunstgewerbemuseum und Lehrinstitution diente.

Kuratiert von Natasha Ginwala und Julienne Lorz.

Mit Arbeiten von: Nevin Aladağ, Leonor Antunes, Julieta Aranda, Alice Creischer, Andreas Siekmann und die Arbeiterinnen von Brukman, Mariechen Danz, Haris Epaminonda, Theo Eshetu, Olaf Holzapfel, Dorothy Iannone, Antje Majewski und Olivier Guesselé-Garai, Willem de Rooij, Katarina Šević, Chiharu Shiota, Simon Wachsmuth und Haegue Yang.


Olaf Holzapfel, Chaguarbild - (Paths of Buenos Aires), 2012- 2018
Chaguar, Pflanzenfarben, 160 x 120 cm, Foto: Jens Ziehe, Foto Courtesy: Olaf Holzapfel, 
Galerie Daniel Marzona Berlin & Galerie Gebr. Lehmann Dresden


Als Dorothy Iannone ihrer Freundin Mary Harding 1977 ein Ständchen brachte, besang sie auch ihre emotionalen Reaktionen auf Berlin – der Stadt, in die die Künstlerin ein Jahr zuvor im Rahmen des DAAD Künstlerprogramms gezogen war und in der sie bis heute lebt. Ihre Gesangszeile „And Berlin will always need you“ ist ebenso der Titel der ersten Ausstellung, die 2019 am Gropius Bau zu sehen sein wird.
And Berlin Will Always Need You. Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlin ist eine zeitgenössische Ausstellung, die Berliner Künstler*innen und ihre künstlerische Praxis vorstellt. Während des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses im Jahr 2019 sind Kunst und Kunsthandwerk gleichberechtigt nebeneinander in einer Zusammenstellung bestehender und eigens für die Ausstellung entstandener Werke zu sehen. Beleuchtet werden traditionelle Produktionsmethoden, Ästhetik und Materialität sowie historische Artefakte und Gegenstände.


Simon Wachsmuth, Qing, 2016, Video: 2-Kanal Videoprojektion, 22:30 Min., Farbe, Ton; 
Vitrinen mit Archivmaterialien: Familienfotos, Archivbilder, Textilien
Foto: Simon Wachsmuth, Leihgeber: Galerie Zilberman Berlin/Istanbul 
Courtesy: Simon Wachsmuth & VG Bild-Kunst, Bonn 2019


Die Gruppenausstellung And Berlin Will Always Need You. Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlin thematisiert zentrale Aspekte künstlerischen Schaffens wie Urheberschaft, Arbeitsprozesse, Interpretation, Souveränität und Machtstrukturen. Diese vielfältigen Facetten werden in Bezug auf Berlins dynamische zeitgenössische Kunstszene beleuchtet und so die Wahrnehmung von Kunst, Kunsthandwerk und ihrer Präsentation erweitert und neu bestimmt. Die Ausstellung zeigt Werke wie Olaf Holzapfels große, abstrakte Textilarbeiten aus handgesponnenen Naturfasern, die handgefertigten Skulpturen aus Seilaufhängungen, Holz und Leder von Leonor Antunes, mit Perspektiven und Farbübergängen spielende Webereien von Willem de Rooij, einen Paravent aus collagierten, gemusterten Teppichen von Nevin Aladağ, eine Videoarbeit mit zwölf Screens von Theo Eshetu sowie neue Installationen von Chiharu Shiota und Haegue Yang. Die Ausstellung reicht von ornamentalen und dekorativen Elementen, die an visuelle Motive der östlichen Religionen oder byzantinische Mosaike und rituelle Gegenstände erinnern bis hin zur Entwicklung des Desi- gns im 20. Jahrhundert. Sie umfasst Handwerkskunst von Berlin bis Südamerika. Darauf aufbauend beleuchtet die Ausstellung sowohl die industriellen als auch digitalen Spannungsfelder, wirft Fragen auf und erkennt die Herausforderungen an, die mit sinnstiftender Interpretation sowie Modi von (kapitalistischer) Produktion, Besitz und Zusammenarbeit verbunden sind.


Willem de Rooij, Vertigo's Doll, 2010, Wandteppich, ungebleichte Leinenkette, mit 10 verschiedenen Füllungen, jede Füllung Acryl, verschiedene Mischung aus silber- und goldfarbenen Metallfäden, auf Holzspanner 135 x 430 x 5 cm, Courtesy: der Künstler & Galerie Buchholz, Berlin/Cologne/New York


Die vielfältigen Verschränkungen und Gegenüberstellungen bringen eine Reihe komplexer Erzählungen mit sich, von denen einige ausgesprochen persönlich, einige universell und andere völlig abstrakt sind. Diese durchdringen die einzelnen Arbeiten und schließlich die gesamte Ausstellung und inspirieren gleichermaßen die Beschäftigung und Assoziationen der Besucher*innen und Künstler*innen mit alltäglichen und kulturellen Objekten. Darüber hinaus wurde And Berlin Will Always Need You. Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlinim Kontext des Gropius Bau und der bewegten Geschichte der Institution selbst entwickelt. Auf diese Weise werden die Narrative, die die einzelnen Werke mittels Materialität, Produktionsweise, Arbeitsaufwand, zeitlichem Kontext und räumlicher Anordnung erzählen, um weitere Informationen und Wissensbereiche ergänzt. And Berlin Will Always Need You. Kunst, Handwerk und Konzept Made in Berlin zeigt die unglaubliche Vielfalt von künstlerischen Praktiken, die heute in Berlin zu finden sind und ist ein erstes Bekenntnis des Gropius Bau eine noch regelmäßigere Plattform für Berliner Künstler*innen sein zu wollen.


Haegue Yang, The Intermediate – Running Firecracker, 2016, Künstliches Stroh, pulverbeschichteter Stahlständer, pulverbeschichtetes Metallgitter, Lenkrollen, Kunstbast, vermessingte und verkupferte Glöckchen, Foto: Studio Haegue Yang Courtesy: Galerie Barbara Wien, Berlin


Öffnungszeiten
Mittwoch bis Montag 10:00-19:00 
Dienstag geschlossen

Tickets
Tickets können Sie vor Ort im Gropius Bau 
und in unserem Onlineshop kaufen: gropiusbau.de/tickets

Mehr Informationen unter:
www.gropiusbau.de


Montag, 4. März 2019

"El Anatsui - Triumphant Scale", 08.03. - 28.07.2019, Haus der Kunst, München

El Anatsui, Stressed World, 2011, Aluminum and copper wire, 174 x 234 inches (442 x 594.4 cm)  © El Anatsui. Courtesy of the artist and Jack Shainman Gallery, New York



El Anatsuis Überblicksausstellung "Triumphant  Scale" im Haus der Kunst ist seine erste Überblicksausstellung in Europa und die bislang umfangreichste Ausstellung seines Werks. Sie erstreckt sich auf den gesamten Ostflügel des Hauses und zeigt zentrale Werke aus fünf Jahrzehnten künstlerischen Schaffens. Im Mittelpunkt der Ausstellung, die sich auf das Triumphale und Monumentale konzentriert, stehen die typischen Arbeiten aus Flaschenverschlüssen aus den letzten zwei Jahrzehnten - Werke von imposanter Präsenz und in schillernden Farben. Daneben werden auch die weniger bekannten Holzskulpturen und Wandreliefs von Mitte der 1980er bis zu den späten 1990er Jahren gezeigt, Keramikskulpturen aus den 1970er Jahren sowie Zeichnungen, Drucke und Skizzenbüchern.





El Anatsui, Leopard Cloth, 1993, Wood Relief, Mansonia, Camwood, Opepe & Oyili-oji, 63.8 x 27.2 x 1.3 inches (162 x 69 x 3 cm), Agnes and Andrew Usill Collection, London,Courtesy: October Gallery, London


Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
80538 München



Öffnungszeiten:
Montag - Sonntag: 10 - 20 Uhr
Donnerstag: 10 - 22 Uhr

Mehr Informationen  unter:
www.hausderkunst.org