Dienstag, 12. November 2019

"Starkes Craving - das Teuflische ist dem Schönen ganz nah", Kata Unger, 08.11. - 21.12.2019, Galerie ARTAe, Leipzig


Kata Unger, Die Hand der Fatima, 2003, Seide, Wolle auf Baumwolle, 140 x 200 cm


Öffnungszeiten:
Do - Sa: 15 - 19 Uhr
und nach Vereinbarung

ARTAe Galerie & Kunstvermittlung
Gohliser Straße 3
04105 Leipzig


Mehr Informationen unter:
www.artae.de

Mittwoch, 6. November 2019

"Strangers in town", 08.11. - 07.12.2019, Kristin Hjellegjerde Gallery, Berlin








In Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung präsentiert die Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin
eine Gruppenausstellung, in der traditionelle Handwerkskünste und deren Greifbarkeit zelebriert
werden. Strangers in Town bringt neun internationale Künstler*innen zusammen, deren Praxis
durch dynamische Methoden wie Nähen, Weben und Malen verschiedene Formen der Materialität
befragt:

Kultureller Dialog und Kollaboration stecken im Herzen der Praxis von Amina Agueznay. Die
marokkanische Künstlerin arbeitet mit einheimischen Kunsthandwerker*innen zusammen, um
Schmuck und Installationswerke zu kreieren — oft verwendet sie Materialen, die in der Natur zu
finden sind. Auf diese Weise erkundet Agueznay zeitgleich, wie sich Traditionen beleben lassen
und wie sie sich weiterentwickeln können.

Ebenso von kulturellen Traditionen beeinflusst, modifiziert Hiva Alizadeh Methoden von
nomadischen Teppichweber*innen aus Kurdistan und schafft so kaleidoskopische Kunstwerke. Von
Weitem betrachtet erscheinen die Arbeiten als Einheit, als schimmerndes Farbspiel. Ein näherer
Blick entlarvt Schichten von Synthetik-Haaren. Die Täuschung der Materialität spielt mit den
Erwartungen der Betrachtenden, wobei die Arbeiten sowohl eine neue Perspektive auf
handwerkliche Prozesse als auch auf Textilformen bieten.

Ranti Bam beschreibt ihre Arbeit mit Terracotta als „eine intime Form der persönlichen und
sozialen Entdeckung“. Die Hände der Künstlerin sind stets in ihren Skulpturen präsent, da sie deren
Abdrücke erkennen lassen. Die Werke sind mit hellen Farben und Mustern verziert, sie haben oft
organische Formen und besitzen eine Qualität, die auf ihren Ursprung verweist: die Erde.



Liz CollinsHeartbeat, 2019
Jacquard woven and cut silk and linen textile
152.4 x 152.4 cm


Lebhafte Farbpaletten und dynamische Verwebungen sind die Handschrift der Künstlerin Liz
Collins. Mit Streifen, die von einer Leinwand zur nächsten hinunterfließen, scheinbar kollabieren
und verflüssigen, erkunden ihre Werke die Grenzen zwischen Entitäten. Unsere Vorstellung von
Stabilität, Unveränderbarkeit und klarer Abgrenzung werden von der Künstlerin auf die Probe
gestellt.

Im Königreich eSwatini (ehemalig Swasiland) arbeitend, kombiniert Kyle Meyer in seiner Praxis
Fotografie und Webtechnik, um konzeptuell-geschichtete, taktile Werke zu erschaffen. Der Prozess
beginnt, in dem der Künstler einen männlichen Protagonisten mit einem Kopftuch fotografiert
(Kopftücher werden traditionell ausschließlich von Frauen getragen). Das Bild wird im Großformat
ausgedruckt und mit der Hand geschreddert, bevor es zusammen mit dem Stoff des Kopftuchs
wieder zusammen gewebt wird. Durch dieses Verschmelzen von Materialen befragt Meyer die
Wirksamkeit der Fotografie hinsichtlich Identität und Selbstdarstellung.

Die Künstlerin Outi Pieski findet Inspiration in der Landschaft des Sámi-Gebietes Finnlands, wo
sie aufgewachsen ist. Sie kombiniert Acrylfarben mit Textilien oder hängenden Fäden. Die Arbeiten
Pieskis haben einen mythischen, transzendenten Anschein, der die gleichzeitig vertraut sowie auch
fremd wirken kann. Auf diese Weise erforscht die Künstlerin die Charakteristiken des persönlichen
und kollektiven Gedächtnisses.



Erin M. Riley
Refuge, 2019
wool, cotton
121.9 x 121.9 cm



Erin M. Riley befragt in ihrer Arbeit die Ästhetik, Selbstdarstellung und die weibliche Position in
der digitalisierten Welt. Wie präsentieren und inszenieren wir uns, in einer virtuellen Welt die
ausschließlich im indirekten Kontakt lebt? Hierfür werden digitale Eindrücke zu fiktiven Fotos oder
Screenshots zu analogen Teppichgemälden transformiert. Die gesichtslosen Protagonist*innen
werden zu Masken einer „übersexualisierten“ Selbstdarstellung im Netz. Für die Ausstellung zeigt
sie einen Teil ihrer Serie von Selbstporträts, die sie in den Wohnungen von Lovern und
Freund*innen dokumentiert. „Das Aufnehmen dieser Bilder zu jener Zeit war eine Bestätigung des
physischen Selbst, ein stabilisierendes Signal, das mir zeigte, dass ich immer noch ich bin“,
kommentiert die Künstlerin.

In ähnlicher Weise untersucht Robin Kang die Charakteristik alter Webtechniken und
zeitgenössischer Computertechnologie. Die Künstlerin erstellt handgezeichnete Grafiken, die von
integrierten Schaltkreisen inspiriert sind, und übersetzt die Pixel dann in lebendige Webmuster auf
ihrem Jacquard-Webstuhl. Durch die Kombination von Methoden aus dem physischen und digitalen
Bereich lädt Kang dazu ein, die Beziehung zwischen Textilien, Informationssystemen, Sprache und
Gedächtnis neu zu denken.


Robin Kang
Download In Progress, 2018
Hand Jacquard woven cotton, alpaca, hand dyed wool, kid mohair, silk, plastic bag, metallic and synthetic yarns
50.8 x 39.4 cm


Sinta Tantra arbeitet ebenfalls mit Webmethoden. Ihr neues Werk ist in Zusammenarbeit mit
lokalen Handwerker*innen aus dem balinesischen Dorf entstanden, in dem familiäre Wurzeln der
Künstlerin liegen. Üblicher Weise großformatige, abstrakte Werke anfertigend, kombiniert sie nun
Bauhaus-Einflüsse mit balinesischem Handwerk.

Strangers in Town präsentiert singuläre Kunstwerke aus Marokko, Iran, Finnland, Bali, Nigeria und
den USA und demonstriert auf eindrückliche Weise kulturelle Konvergenz. Die Ausstellung
unterstreicht die Fähigkeit von Kunst, Grenzen zu überwinden und kulturelle Traditionen neu zu
ordnen. In diesem Sinne bietet der Ausstellungstitel verschiedene Lesarten, nicht zuletzt eine
ironische.



Eröffnung am 7. November um 18:30 Uhr
8.November - 7. Dezember 2019

Kristin Hjellegjerde Gallery
Linienstr. 130
10115 Berlin

Öffnungszeiten:
Di - Sa: 12-18 Uhr

Mehr Informationen unter:
kristinhjellegjerde.com

Dienstag, 29. Oktober 2019

Ausschreibung: Contextile 2020 – OPEN CALL





International Exhibition of Contextile 2020 - Contemporary Textile Art Biennial 
Applications_Open Call | International Exhibition

And here we are arriving at the 5th edition of CONTEXTILE.
Between the 5th September and the 25th October 2020, the city of Guimarães, and its territory, will once again be the stage for the Contemporary Textile Art Biennial, an international event.
The city, and the textile community, gradually take over the dynamics of the biennial, enthusiastically welcoming the many national and international artists who visit and participate in each biennial. Counting on the strategic support of the Municipality of Guimarães, the Textile companies, DGartes, among others.

CONTEXTILE 2020 will once again occupy the various cultural spaces and public areas of the city, always with the aim of disseminating what is done best in Contemporary Textile Art, in Portugal and in the world.

Always starting from our challenge of placing textile in the context of contemporary art.



PLACES OF MEMORY_Inter-discourses of a textile territory.

In its 5th edition, Contextile – Contemporary Textile Art Biennial, will address the idea of place and memory: LUGARES DE MEMÓRIA | PLACES OF MEMORY – as concept.

* PLACES OF MEMORY | The territory and its textile memory provoke new thoughts and new artistic production one wants to rescue from the past, filtering it in the present, contaminating the future.
Understanding the place through its temporal dimension, thinking and rethinking the definitions based on the relations that are established between geographic and identity space, social and political, artistic and aesthetic, of memory and imagination, thus insisting in the idea of place as inhabited space.
Through reflective practices about a place or the resignification of a territory, considering and/or removing topias, it may be possible to give way to new discourses. Appropriating the memory, inhabiting the uninhabited, common or individual, the inane becoming alive.

So, Contextile 2020, invites all artists to participate in this 5th edition, and to produce their artworks around the theme/concept.



Bewerbungsende: 1.März 2020

Mehr Informationen unter:
contextile.pt/2020/en

Freitag, 18. Oktober 2019

"Die Fäden einer Verwandschaft", 28.09. - 22.11.2019, Galerie Bernau, Bernau bei Berlin




Die Fäden einer Verwandtschaft ist die fünfte Ausstellung in der Galerie Bernau im Rahmen des 100-jährigen Bauhaus Jubiläums. Sie zeigt Arbeiten der Künstler*innen Andrea Milde (geb. 1963, Deutschland) und Roland Schefferski (geb. 1956, Polen), zwei Positionen, die über die Arbeit mit Textilien verbunden sind. Mittels Weberei und Stickerei, knüpfen Andrea Milde und Roland Schefferski an das experimentelle Verständnis der Weberei-Werkstatt des Bauhauses an, und eröffnen einen zeitgenössischen Diskurs über Stofflichkeit. Aus dem Gedanken der Bewegungsfreiheit von Menschen und Objekten schaffen sie neue Formate und Produktionsformen, die Besucher*innen zum Mitmachen einladen.

Andrea Milde arbeitet mit dem traditionellen und zeitintensiven Handwerk der Bildwirkerei. Bildwirkerei bezeichnet sowohl die Technik des Einwirkens von Bildern und Motiven in textile Flächen als auch die Technik der Produktion selbst, der „Tapisserie“. Im Kontrast zur digitalen Möglichkeit in Sekundenschnelle eine Momentaufnahme zu verewigen, entsteht das Bild in der Bildwirkerei über mehrere Jahre. Während des Entstehungsprozesses verknüpft Andrea Milde persönliche und anvertraute Geschichten mit aktuellen gesellschaftlichen Debatten über Migration, Mobilität und Kollektivität. Sichtbar wird dies unter anderem in Zweiheit (2017), einer Arbeit, die während der letzten Jahre des 30-jährigen Aufenthalts der Künstlerin in Spanien fertiggestellt wurde. Drei Figuren sitzen auf einer Kugel, eine Frau und zwei fremde Wesen. Auf der rotblauen Farbwand befinden sich in der Ecke weitere Figuren. Kurzgeschichten und Tagesnachrichten, die buchstäblich mit eingefädelt wurden. Durch diese zwei Handlungsstränge (das große Gesamtbild und die kleinen Figuren) wird der Teppich zur lebendigen „Bildgeschichte“ und, erinnert an zeitgenössische Techniken wie Graffiti oder Comics. Diese Spontanität erreicht Andrea Milde auch durch die Herstellungsbedingungen. Ein Webstuhl lässt sich nicht wie ein Handy in der Hosentasche mittragen, sondern braucht einen eigenen Raum. Um die Weberei dennoch mit dem heutige Arbeitsverständnis - das Flexibilität und Beweglichkeit fordert - kompatibel zu machen, kreiert Andrea Milde Aktionen im öffentlichen Raum und arbeitet seit 2018 an dem Projekt KuKuMobil, einem mobilen Webstuhl.

In seiner fortdauernden Untersuchung der Beziehungen und Grenzen von Kunstwerk und Betrachter*in arbeitet Roland Schefferski unter anderem mit Zeichnungen, Installationen und Objekten. Eine von seinen Arbeiten, der gelbe Vorhang mit dem Titel Das Paar (1994), erzählt von einem täglichen Ritual eines Liebespaares. Die Liebenden sich nachts zugewandt, trennen sich tagsüber beim Öffnen des Vorhangs. Abends, wenn die Galerie schon geschlossen ist, treffen sie sich wieder, und sind für Passanten als Schattenumrisse sichtbar. Diese und andere textile Arbeiten werden durch eine interaktive Aktion begleitet. Die Berliner (2000–2019) realisiert dies mithilfe von Kleidungsstücken - Jacken, Sakkos und Mäntel - mit aufgestickten Schattenumrissen von realen Personen, die dem Ausstellungspublikum zum Tragen angeboten werden. Die interessierten Besucher können sie im Tausch für ihre eigenen Kleidungstücke ausleihen und diese tragend nicht nur die Ausstellung besichtigen, sondern sogar die Galerieräume verlassen. Das Kunstobjekt wird somit greifbar und bewegt sich mit der Person, die es gerade trägt. Mit diesem dynamischen Kunstwerk knüpft Schefferski an die Idee von Oskar Schlemmer, der sich mit der korrespondierenden Beziehung zwischen Figur und Raum beschäftigte und die Fixierung der Bewegungen in plastischen Werken als einschränkend empfand. Durch die Teilhabe der Zuschauer*in überwinden Die Berliner das unbewegliche, statische Objekt und mit ihrem dynamischen Charakter ermöglichen sie die Wahrnehmung von Kunst als einen zeit- und raumbezogenen Prozess zu verstehen.

Der Titel Die Fäden einer Verwandtschaft entstammt dem Buch „Die Jahre“ von Annie Ernaux (2017). Sie verweist auf die Verwandtschaft als mitgegebene und als gewählte zwischenmenschliche Verbindung, die in beiden künstlerischen Positionen eine zentrale Rolle spielt. In dieser Ausstellung deutet die Verwandtschaft ebenfalls auf die enge oder lose verstrickte Verwandtschaft zwischen den in der Ausstellung gezeigten Arbeiten und der Bauhauslehre hin. Mit Die Fäden einer Verwandtschaft möchte die Galerie Bernau eine aktuelle und alternative Auseinandersetzung mit dem Bauhauserbe ermöglichen.



GALERIE BERNAU
Bürgermeisterstraße 4
16321 Bernau bei Berlin


Öffnungszeiten:
Dienstag–Freitag 10–18 Uhr
Samstag 10–16 Uhr
Feiertags geschlossen

Eintritt frei

Mehr Informationen unter:
www.galerie-bernau.de

Freitag, 20. September 2019

"Parastou Forouhar / Deadlines", 28.09.2019 - 16.02.2020, Stadtgalerie Saabrücken

Parastou Forouhar, aus der Serie -The Grass is Green, the Sky is Blue and She is Black- 2017, Fotografie, (c) Parastou Forouhar



Das Werk von Parastou Forouhar reflektiert die Begegnung von Orient und Okzident, von Krisengebiet und Komfortzone, von Zwangsordnung und kultureller Freiheit. Die 1962 in Teheran geborene Künstlerin absolvierte ihre Ausbildung zunächst im Iran und setzte sie in Deutschland fort, wo sie heute lebt und arbeitet. Dabei entwickelte sie ein Werk, in dem sich die Schönheit der Ornamentik mit systemkritischen Inhalten verbindet, die ihre persönlichen Erfahrungen unter der Gewaltherrschaft des Mullah-Regimes spiegeln und zugleich einen allgemeingültigen Anspruch erheben. 
Wie ein etwas ausgelassener Geist scheint die Gestalt auf unserem Plakat in einem großen Raum zu schweben. Es ist der Amtsmannsaal in Stein am Rhein – Bühne für eine geheimnisvolle Figur, die sich bei näherer Betrachtung als Frau mit schwarzem Tschador entpuppt. Vollkommen in schwarzen Stoff gehüllt erscheint sie hüpfend, tanzend, flüchtig und fremd. So erweist sich Forouhars Fotoserie „Der Himmel ist blau, das Gras ist grün und sie ist schwarz“ als geradezu perfekte Metapher für ihre Arbeit als Künstlerin zwischen den Welten: ihrem Geburtsland Iran und ihrer Wahlheimat Deutschland. Der Tschador ist dabei ein immer wiederkehrendes Motiv – als Symbol für die gesellschaftliche Diskriminierung von Frauen unter der Sharia, aber auch als ein mit Mustern versehenes Stück Stoff, an dessen ästhetischen Qualitäten die Künstlerin ebenso interessiert ist wie an seinen durchaus problematischen Konnotationen. Dabei ist das Ornamentale, die strenge Ordnung abstrakter Bildelemente und ihre unendliche Wiederholung das Prinzip, das die Künstlerin in ihrem Werk ebenso nutzt wie hinterfragt. Es geht um „eine vermeintliche, schöne Ordnung“, die mit allen Mitteln – und sei es mit Folter oder Mord – aufrechterhalten werden muss, um das System zu sichern: „Das Ornament duldet keine Abweichung. Es verschleiert die Grausamkeit einer totalitären Struktur, die Abweichendes negiert und abtötet. Sie funktioniert als Bild gewordene Ideologie – eine disziplinierende (domestizierende) Autorität in der ordnenden Struktur.“ So die Künstlerin.




Parastou Forouhor, Time Of Butterflies, 2015, digitale Zeichnung, Installationsansicht Kunsthalle Goeppingen, (c) Parastou Forouhar

 


Dabei geht Parastou Forouhars künstlerische Analyse auf ganz konkrete Erfahrungen mit diesem System zurück. Es ist das lebenslange politische Engagement ihrer Eltern Parvaneh und Dariush Forouhar, die als Oppositionelle ins Visier der Staatsmacht gerieten und 1998 vom iranischen Geheimdienst ermordet wurden. Dieser heimtückische Mord, der in einer ganzen Reihe von Verbrechen an iranischen Dissidenten steht und bis heute nicht aufgeklärt wurde, ist ebenso Antrieb ihrer künstlerischen Arbeit wie die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung im Iran unter den Gesetzen eines totalitären Regimes. So erscheinen Mord und Folter in Forouhars digitalen Zeichnungen und Wandinstallationen als wiederkehrende Motive. Mit dieser in einem europäischen, weltoffenen Zusammenhang entwickelten Bildwelt besetzt sie Wände und ganze Räume, die uns gleichsam körperlich gefangen nehmen. Dabei mutet sie uns zu, dass wir die Komfortzone der distanzierten Betrachtung verlassen, um in eine Welt einzutauchen, deren Grausamkeit gerade in der Ästhetik und Ordnung des Ornaments verborgen liegt. 


Parastou Fohourar, I Surrender, seit 2006, Installation, Martin-Gropius-Bau, Berlin, 2007 (c) Parastou Fouhourar


„I Surrender / Ich ergebe mich“ ist eine ihrer bislang gewagtesten Arbeiten – eine scheinbar harmlose Luftballon-Installation, die Parastou Forouhar als Stipendiatin der Villa Massimo in Rom entwickelte und die seit 2006 weltweit immer wieder zu sehen war, so auch 2010 in einer Galerie in Teheran. Die Installation besteht aus Hunderten von bedruckten Luftballons, die unter der Decke schweben, bis man den ein oder anderen an einem schwarzen Faden zu sich heranzieht. Dann erst erkennt man, was es mit den vermeintlichen Ornamenten auf sich hat: sie zeigen abstrahierte Folterszenen, in denen sich die Täter mit Messern, Peitschen und anderen Folterwerkzeugen über gefesselte, mit Augenbinden versehene Opfer hermachen. Diese Raum-installation ist ebenso Einstieg in Forouhars neue Ausstellung in der Stadtgalerie Saarbrücken wie ihre Fotoserie „Der Himmel ist blau, das Gras ist grün, sie ist schwarz“, die unter anderem als Leuchtkastenpräsentation im Innenhof zu sehen sein wird. 




"Parastou Forouhar - Deadlines"

Ausstellungseröffnung am Freitag den 27. September um 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 28.September 2019 bis 16. Februar 2020
 
Stadtgalerie Saarbrücken 
St. Johanner Markt 24
66111 Saarbrücken

Öffnungszeiten:
Di - Fr: 12 - 18 Uhr
Sa/So/Feiertage: 11 - 18 Uhr
Eintritt frei

kostenlose Führungen immer Mittwochs von 17 - 18 Uhr 

Mehr Informationen unter:
www.stadtgalerie-saarbruecken.de

Donnerstag, 19. September 2019

"Hannah Ryggen - gewebte Manifeste", 26.09.2019 - 12.01.2020, Schirn Kunsthalle Frankfurt


Hannah Ryggen, Blod i gresset (Blut im Gras), 1966, Bildteppich
aus Wolle und Leinen mit Flor, 240 x 290 cm, KODE -
Kunstmuseen und Komponistenhäuser, Norwegen, VG Bild-Kunst,
Bonn 2019, Foto: Dag Fosse / KODE


Von einem kleinen autarken Bauernhof an der Westküste Norwegens aus schuf Hannah Ryggen (1894–1970) mit ihren monumentalen Wandteppichen ein eindrucksvolles, politisch inspiriertes Werk. Sie lancierte bildliche Angriffe auf Hitler, Franco und Mussolini und setzte sich damit deutlich vernehmbar für die Opfer von Faschismus und Nationalsozialismus ein. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet der schwedisch-norwegischen Künstlerin vom 26. September 2019 bis zum 12. Januar 2020 eine große Einzelausstellung. 

Hannah Ryggen, Jul Kvale, 1956, Bildteppich aus Wolle und
Leinen, 200 x 190 cm, Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum
(Nationales Museum für Kunsthandwerk und Design), Trondheim ©
H. Ryggen, VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Anders Sundet
Solberg



Anlässlich des norwegischen Ehrengastauftritts auf der Frankfurter Buchmesse 2019 gewährt die Schirn dem Publikum in Deutschland erstmals einen umfassenden Einblick in ihr OEuvre. In den rund 25 gezeigten Tapisserien greift Ryggen grundlegende Themen des Menschseins und des Lebens in der Gesellschaft auf: die Gräueltaten des Krieges, Machtmissbrauch, die Abhängigkeit von der Natur und die Verbindungen zu Familie und Mitmenschen. Viele der Werke befassen sich mit den Ereignissen und politischen Auseinandersetzungen im Europa der 1930er- und 1940er-Jahre und spiegeln zugleich die sozialistischen Überzeugungen der Künstlerin.


Hannah Ryggen, Drømmedød (Tod der Träume), 1936, Bildteppich
aus Wolle und Leinen, 235 x 273 cm, Nordenfjeldske
Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und
Design), Trondheim © H. Ryggen, VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto:
Anders Sundet Solberg

 
 Die Ausstellung präsentiert Ryggens monumentale Tapisserien und stellt die Künstlerin auch als Vertreterin einer anderen Art von Moderne vor – einer Moderne, in der sich Elemente aus Volkskunst und Mythologie mit politischen Anliegen und Themen des alltäglichen Lebens mischen. Dabei erkundete Ryggen ein ganz neues Spektrum von Motiven und verwendete ein traditionelles Medium für ein neuartiges Ziel: der Öffentlichkeit mit Wandteppichen, die von Ort zu Ort bewegt werden können, ihre starken politischen Botschaften mitzuteilen. In einer Gegenwart, die von zunehmender Ungleichheit, Nationalismus und Populismus geprägt ist, erscheint ihr kompromissloses Werk von erschütternder Aktualität und führt die Notwendigkeit vor Augen, für die Prinzipien des Humanismus einzustehen. 

Hannah Ryggen, Ohne Titel (Selbstbildnis), 1970, Nordenfjeldske
Kunstindustrimuseum (Nationales Museum für Kunsthandwerk und
Design), Trondheim © H. Ryggen / VG Bild-Kunst, Bonn 2019,
Foto: Thor Nielsen


Die Schirn versammelt Werke der Künstlerin aus dem Nordenfjeldske Kunstindustrimuseum, dem Nationalen Museum für Kunsthandwerk und Design in Trondheim, welches die wichtigste Sammlung von Ryggens Werken besitzt, sowie aus weiteren norwegischen und schwedischen Museen und Institutionen, u. a. dem KODE – Kunstmuseen und Komponistenhäuser in Bergen, dem Büro der norwegischen Ministerpräsidentin in Oslo, der DNB Art Collection, der Telenor Art Collection, dem Nationalmuseum für Kunst, Architektur und Design, Oslo, dem Trondheim kunstmuseum, dem Röhsska Museum für Design und Kunsthandwerk in Göteborg, dem Malmö Konstmuseum und dem Stadtmuseum Stockholm. Die Ausstellung „Hannah Ryggen. Gewebte Manifeste“ wird gefördert von NORLA - Norwegian Literature Abroad und der Sparebankstiftelsen DNB.



Hannah Ryggen am Webstuhl, um 1964, Adresseavisen,
Trondheim.


Hannah Ryggen. Gewebte Manifeste
26. September 2019 bis 12. Januar 2020

SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT 
Römerberg
60311 Frankfurt

Eintritt:
10 Euro
ermäßigt 8 Euro
Kinder unter 8 Jahren frei 

Mehr Informationen unter:

Samstag, 14. September 2019

"Fäden" - Lisa Reichmann, 21.09. - 02.11.2019, KunstRaum22, Dessau


Lisa Reichmann, "Hände III", Detail, Baumwolle, Handstickerei, 42 x 64 cm, 2016, Foto: Sascha Linke


Lisa Reich­mann widmet sich dem Texti­len, das als eines der ältes­ten Kultur­gü­ter eine höchst komplexe Kombi­na­tion von Mate­rial, Tech­nik, Funk­tion und Ästhe­tik ist. Im beson­de­ren liegt der Fokus der Künst­le­rin auf der Sticke­rei, einem Medium, dem das Vorur­teil des Tradi­tio­nel­len und Altmo­di­schen anhaf­tet und in unse­rem Kultur­kreis als eintö­nige Frei­zeit­be­schäf­ti­gung gilt. Die Arbei­ten Reich­manns, die zum Teil über mehrere Jahre hinweg entstan­den, stel­len sich diesen entge­gen und berüh­ren auf ihre ganz eigene Art. 



Lisa Reichmann, "Erinnerung an die Urgroßmutter",
Baumwolle, Wolle, Leinen,
Handstickerei, 240 x 165 cm,
2011 - 2014, Foto: Sascha Linke


So wird zum Beispiel in der Arbeit „Erin­ne­rung an die Urgroß­mut­ter“ der Fund eines alten Fami­li­en­fo­tos zur Inspi­ra­tion Lisa Reich­manns und sie beginnt sich dazu künst­le­risch mit der Erin­ne­rung an ihre Urgroß­mut­ter ausein­an­der­zu­set­zen. Vermischt mit Erzäh­lun­gen der Eltern und Erin­ne­run­gen an Erin­ne­run­gen bringt ihr Gedächt­nis wieder­keh­rend ein Bild der mit ruhi­ger und rhyth­mi­scher Geste sticken­den Urgroß­mut­ter hervor. Diese textile Tech­nik wählt sie als Grund­lage ihrer Arbeit. Reich­manns Heran­ge­hens­weise zeigt dabei schon fast perfor­ma­tive Züge – das Sticken dient als kontem­pla­ti­ver Akt, um unter­ge­gan­gene Erin­ne­run­gen an die Urgroß­mut­ter aus den Tiefen des Gedächt­nis­ses zu heben und sich ihrer Person durch die nach­emp­fun­dene Geste anzunä­hern. Erin­ner­tes fixiert sie in Text­form und Zeich­nun­gen, um diese dann mit Nadel und Faden auf den Stoff zu über­tra­gen. Alle in der Auss­tel­lung gezeig­ten Arbei­ten haben dies gemein­sam – sie sind von der Mate­ria­li­tät, Stoff­lich­keit und Ästhe­tik des Texti­len beein­flusst.
Lisa Reich­mann wurde 1984 in Saal­feld/Saale gebo­ren und studierte von 2004 bis 2011 Male­rei/textile Künste an der Burg Giebi­chen­stein, Kunst­hoch­schule Halle.


"Lisa Reichmann - Fäden"

Ausstellungseröffnung am Freitag den 20. September um 17 Uhr
Einführung: Schnuppe von Gwinner, Kunsthistorikerin/Leipzig

Ausstellungsdauer:
21.09. -02.11.2019

KunstRaum22
Askanische Straße 22
06842 Dessau

Öffnungszeiten:
Di - Sa: 14 - 17 Uhr

Mehr Informationen unter:
www.anhaltischer-kunstverein.de

Freitag, 13. September 2019

"Story as a woven Carpet", 06.09. - 16.11.2019, 68 projects, Berlin

Ausstellungsansicht "Story as a woven Carpet", Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



68projects präsentiert mit Story As A Woven Carpet eine Gruppenausstellung von sieben im georgischen Tiflis lebenden und arbeitenden Künstler*innen. Die Ausstellung besteht aus kulturellen Fragmenten und widmet sich neuen Narrativen, die in den Werken der jungen Künstler*innen konstruiert werden. Georgien wird in der Geschichte schon immer exotisiert, von den Griechen der Antike bis hin zu Reiseberichten aus dem 20. Jahrhundert. Was andere über das Land gesagt haben und meinen, wurde in georgischen Lehrbüchern gesammelt und über Generationen gelehrt. Die an dieser Ausstellung teilnehmenden Künstler*innen erzählen Geschichten aus ihrer eigenen Perspektive. Sie vertreten die Generation, die vielleicht mit dem Prozess begonnen hat, ihre eigenen Geschichten zu erfinden und zu erzählen.
Diese georgischen Künstler*innen des 21. Jahrhunderts finden ihre kulturellen und visuellen Referenzen im Internet und auf dem Computerbildschirm. Sie greifen auf Information zu, ohne auf physische Grenzen zu achten, und entdecken neue Arten, Dinge zu sehen und zu erschaffen. Für sie steht alles gleichzeitig zur Verfügung, auf dem Bildschirm, ganz ohne die Zeitevolution, wie sie in der Kunstgeschichte erklärt wird, und sie folgen keinen traditionellen Kanons von gut und schlecht. Allerdings lassen sie sich von ihrer direkten Umgebung inspirieren und ihre Arbeit ist weniger abgekoppelt von der örtlichen Tradition, als dies auf den ersten Blick scheint.


Nino Kvrivishvili, "Story as A Woven Carpet (Hand woven)", 2018,
 Wolle, 125 x 183 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin
Nino Kvrivishvili, "Story as A Woven Carpet (Hand woven)", 2019, 
Wolle, 134 x 184 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Nino Kvrivishvilis gleichnamige Arbeit in unserer Ausstellung. Die Künstlerin fertigt handgewebte Wandteppiche aus Wolle an, die großformatigen Gemälden ähneln. Vor der Einführung der Textilindustrie wurden in fast allen Regionen Georgiens Teppiche gewebt. Die Geschichte der Wolle, des Materials, das sie verwendete, um die Arbeit zu schaffen, ist Zeugnis einer Geschichte aus dem echten Leben: Nino Kvrivishvili erwarb ein Stück eines alten Teppichs von einem tuschischen Schafhirten, der es verkaufte, um einen Nabidi kaufen zu können, eine Art Winterfilzmantel, die Schafhirten im Winter in den Bergen tragen. Außerdem kaufte sie dem Schafhirten Wolle ab, mit der sie die Geschichte mit abstrakten Elementen in ihren Teppich einwebte. Der handgewebte Teppich mit schwarzen abstrakten Details sowie dem Namen der Künstlerin und dem Datum seiner Fertigstellung erzählt davon, wie er geschaffen wurde. 


Tezi Gabunia, "Breaking News: The Flooding Of The Louvre", 2018
Installation (Detail), Maße variabel, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin


Tezi Gabunias Werk Breaking News: Flooding of the Louvre sind Fake News, die wahr sein könnten. Naturkatastrophen, die immer stärker mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden, haben den Louvre erreicht, eine Reaktion auf die Überschwemmungen in Paris 2018.
Der Künstler verwendet das Louvre-Modell aus seiner früheren Arbeit Put Your Head into Gallery, wo die Betrachter*innen ihren Kopf in die Modelle berühmter Museen steckten, die der Künstler in seinem Atelier nachgebaut hatte.
Indem er das Modell flutet, das auch sein eigenes Kunstwerk ist, setzt sich Gabunia mit dem Thema kultureller Überreste und der Frage des Recyclings auseinander. Das Fluten des Louvre erzählt von einer Nachrichtenkultur und unserer fluktuierenden Wahrnehmung von Katastrophen, von denen wir durch die Medien erfahren. Die Arbeit wird von einem Video mit dem Titel Breaking News begleitet. Das Video zeigt, wie das Wasser langsam in die Räume des Louvre fließt, so dass die Betrachter*innen zusehen können, wie das Innere des Museums nach und nach zerstört wird. Die Wirkung ist überzeugend, bedrohlich und fake. 


Tamar Nadiradze lässt sich ständig von ihrer Umgebung und den Menschen darin inspirieren, obwohl sie, wie sie kürzlich in einem Interview behauptet hat, vor allem sich selbst als ihre wichtigste Inspirationsquelle betrachtet.
Die Arbeiten der Künstlerin basieren auf Geschichten aus dem wahren Leben, die in märchenhafte Aquarellzeichnungen und Collagen verwandelt werden. Sie lassen sich mit Bilderbuch- beziehungsweise Märchenillustrationen vergleichen. Tamar Nadiradze setzt sich mit Themen des urbanen Lebens, gesellschaftlicher Verhaltensweisen, Ökologie und Menschenrechten auseinander, aber indem diese durch das Prisma ihrer Vision dargestellt werden, sind die Ergebnisse merkwürdig, überraschend und ein wenig verstörend.   


Levan Chelidze, "Magdalena", 2017
Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



Levan Chelidze malt eine eklektische Mischung von Portraits – sowohl von Menschen als auch von Tieren –, Stillleben und Landschaften der georgischen Region Racha. In einem Zeitalter, in dem fast jeder eine Kamera in seinem Smartphone hat und viele Künstler*innen auf Fotografien als Grundlage von Portraits zurückgreifen, verfolgt Chelidze einen traditionellen Ansatz: Er verlangt, dass die Portraitierten für ihn posieren. Es gelingt ihm meisterhaft, ihre Gesichtszüge einzufangen. Aber er spielt auch mit Wahrnehmungen, indem er ihre „echte“ Form, wie er sie sieht, vor einem imaginären Hintergrund platziert. Was die Portraitierten in seinen Bildern tragen – oder manchmal auch nicht tragen – entstammt ebenfalls Chelidzes Fantasie und nicht unbedingt der Wirklichkeit. Die Figuren in seinen Gemälden sind meist schön, sexy und nobel. Er malt Menschen, die er bewundert.
Chelidzes Portraits können unfertig wirken, und manchmal sind sie das auch. Wenn  jemand nicht zu einer zweiten Sitzung erscheint, dann war es das – er beendet das Portrait und malt stattdessen den Hintergrund. Das gibt seinen Arbeiten eine entwaffnende Ehrlichkeit, sie werden emotional freier und weniger formell. 

Giorgi  Qochiashvilis imaginäre Landschaften und Interieurs sind häufig von dunkelhäutigen Menschen bevölkert. Bald nach seiner Geburt in Gagra, Abchasien, einer abtrünnigen Region in Georgien, floh Qochiashvilis Familie vor dem Krieg in der Region. Seine tropischen Landschaften basieren auf Familienfotos und der nostalgischen Sehnsucht seines Großvaters nach der verlorenen Heimat in Gagra. Als früherer Rugbyspieler ist Qochiashvili nach Südafrika gereist und hat die dortige Natur und die Menschen in Südafrika mit seiner Heimat Abchasien identifiziert, die er nie besuchen durfte. Das Ergebnis ist die surreale Verträumtheit und Farbgebung seiner Malerei. 


Ausstellungsansicht "Story as a woven Carpet", Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin


Unerwartete Kombinationen aus Beton, Bodenfliesen, Strickfäden und Textilien führen zu dramatischen Kontrasten zwischen den Bildern und den Materialien, die Salome Chigilashvili zu deren Herstellung verwendet. Die Künstlerin webt buchstäblich Muster traditioneller kaukasischer Teppiche in Bodendielen ein. Ihre in der Ausstellung gezeigte Arbeit Untitled (2019) ist ein mit weißem Faden besticktes braunes Papier. Saul Anton schreibt über Chigilashvili, dass „ihre Technik eine zurückhaltende Moderne des armen Menschen im 21. Jahrhundert erschafft. ... Ihre Arbeit ist bezeichnend für Georgiens aktuelle Situation, als ein Land voller junger Leute, die in die Zukunft blicken, aber eine uralte Geschichte und Kultur haben, der sie nicht entfliehen können“. 
Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind Andro Eradzes Fotografien aus der Serie Fireworks, die eine bunte Explosion in einem Nachthimmel zeigt. Die Fotografien befinden sich in Rahmen aus Holz, deren „schützende“ Verglasung zerstört ist, als würde das Feuerwerk tatsächlich auf dem Bild explodieren. Indem er das Glas beschädigt, verwandelt Andro Eradze seine Fotos von bloßen Bildern in Wandskulpturen oder Objekte mit faszinierender Wirkung.


Salome Chigilashvili, "Untitled", 2018,
 BPA, 29 x 18 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



"Story as a woven Carpet" kuratiert von Irena Popiashvili
6. September bis 16. November 2019

68projects
Fasanenstr. 68
10719 Berlin

Mehr Informationen unter: