Samstag, 14. September 2019

"Fäden" - Lisa Reichmann, 21.09. - 02.11.2019, KunstRaum22, Dessau


Lisa Reichmann, "Hände III", Detail, Baumwolle, Handstickerei, 42 x 64 cm, 2016, Foto: Sascha Linke


Lisa Reich­mann widmet sich dem Texti­len, das als eines der ältes­ten Kultur­gü­ter eine höchst komplexe Kombi­na­tion von Mate­rial, Tech­nik, Funk­tion und Ästhe­tik ist. Im beson­de­ren liegt der Fokus der Künst­le­rin auf der Sticke­rei, einem Medium, dem das Vorur­teil des Tradi­tio­nel­len und Altmo­di­schen anhaf­tet und in unse­rem Kultur­kreis als eintö­nige Frei­zeit­be­schäf­ti­gung gilt. Die Arbei­ten Reich­manns, die zum Teil über mehrere Jahre hinweg entstan­den, stel­len sich diesen entge­gen und berüh­ren auf ihre ganz eigene Art. 



Lisa Reichmann, "Erinnerung an die Urgroßmutter",
Baumwolle, Wolle, Leinen,
Handstickerei, 240 x 165 cm,
2011 - 2014, Foto: Sascha Linke


So wird zum Beispiel in der Arbeit „Erin­ne­rung an die Urgroß­mut­ter“ der Fund eines alten Fami­li­en­fo­tos zur Inspi­ra­tion Lisa Reich­manns und sie beginnt sich dazu künst­le­risch mit der Erin­ne­rung an ihre Urgroß­mut­ter ausein­an­der­zu­set­zen. Vermischt mit Erzäh­lun­gen der Eltern und Erin­ne­run­gen an Erin­ne­run­gen bringt ihr Gedächt­nis wieder­keh­rend ein Bild der mit ruhi­ger und rhyth­mi­scher Geste sticken­den Urgroß­mut­ter hervor. Diese textile Tech­nik wählt sie als Grund­lage ihrer Arbeit. Reich­manns Heran­ge­hens­weise zeigt dabei schon fast perfor­ma­tive Züge – das Sticken dient als kontem­pla­ti­ver Akt, um unter­ge­gan­gene Erin­ne­run­gen an die Urgroß­mut­ter aus den Tiefen des Gedächt­nis­ses zu heben und sich ihrer Person durch die nach­emp­fun­dene Geste anzunä­hern. Erin­ner­tes fixiert sie in Text­form und Zeich­nun­gen, um diese dann mit Nadel und Faden auf den Stoff zu über­tra­gen. Alle in der Auss­tel­lung gezeig­ten Arbei­ten haben dies gemein­sam – sie sind von der Mate­ria­li­tät, Stoff­lich­keit und Ästhe­tik des Texti­len beein­flusst.
Lisa Reich­mann wurde 1984 in Saal­feld/Saale gebo­ren und studierte von 2004 bis 2011 Male­rei/textile Künste an der Burg Giebi­chen­stein, Kunst­hoch­schule Halle.


"Lisa Reichmann - Fäden"

Ausstellungseröffnung am Freitag den 20. September um 17 Uhr
Einführung: Schnuppe von Gwinner, Kunsthistorikerin/Leipzig

Ausstellungsdauer:
21.09. -02.11.2019

KunstRaum22
Askanische Straße 22
06842 Dessau

Öffnungszeiten:
Di - Sa: 14 - 17 Uhr

Mehr Informationen unter:
www.anhaltischer-kunstverein.de

Freitag, 13. September 2019

"Story as a woven Carpet", 06.09. - 16.11.2019, 68 projects, Berlin

Ausstellungsansicht "Story as a woven Carpet", Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



68projects präsentiert mit Story As A Woven Carpet eine Gruppenausstellung von sieben im georgischen Tiflis lebenden und arbeitenden Künstler*innen. Die Ausstellung besteht aus kulturellen Fragmenten und widmet sich neuen Narrativen, die in den Werken der jungen Künstler*innen konstruiert werden. Georgien wird in der Geschichte schon immer exotisiert, von den Griechen der Antike bis hin zu Reiseberichten aus dem 20. Jahrhundert. Was andere über das Land gesagt haben und meinen, wurde in georgischen Lehrbüchern gesammelt und über Generationen gelehrt. Die an dieser Ausstellung teilnehmenden Künstler*innen erzählen Geschichten aus ihrer eigenen Perspektive. Sie vertreten die Generation, die vielleicht mit dem Prozess begonnen hat, ihre eigenen Geschichten zu erfinden und zu erzählen.
Diese georgischen Künstler*innen des 21. Jahrhunderts finden ihre kulturellen und visuellen Referenzen im Internet und auf dem Computerbildschirm. Sie greifen auf Information zu, ohne auf physische Grenzen zu achten, und entdecken neue Arten, Dinge zu sehen und zu erschaffen. Für sie steht alles gleichzeitig zur Verfügung, auf dem Bildschirm, ganz ohne die Zeitevolution, wie sie in der Kunstgeschichte erklärt wird, und sie folgen keinen traditionellen Kanons von gut und schlecht. Allerdings lassen sie sich von ihrer direkten Umgebung inspirieren und ihre Arbeit ist weniger abgekoppelt von der örtlichen Tradition, als dies auf den ersten Blick scheint.


Nino Kvrivishvili, "Story as A Woven Carpet (Hand woven)", 2018,
 Wolle, 125 x 183 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin
Nino Kvrivishvili, "Story as A Woven Carpet (Hand woven)", 2019, 
Wolle, 134 x 184 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



Der Titel der Ausstellung bezieht sich auf Nino Kvrivishvilis gleichnamige Arbeit in unserer Ausstellung. Die Künstlerin fertigt handgewebte Wandteppiche aus Wolle an, die großformatigen Gemälden ähneln. Vor der Einführung der Textilindustrie wurden in fast allen Regionen Georgiens Teppiche gewebt. Die Geschichte der Wolle, des Materials, das sie verwendete, um die Arbeit zu schaffen, ist Zeugnis einer Geschichte aus dem echten Leben: Nino Kvrivishvili erwarb ein Stück eines alten Teppichs von einem tuschischen Schafhirten, der es verkaufte, um einen Nabidi kaufen zu können, eine Art Winterfilzmantel, die Schafhirten im Winter in den Bergen tragen. Außerdem kaufte sie dem Schafhirten Wolle ab, mit der sie die Geschichte mit abstrakten Elementen in ihren Teppich einwebte. Der handgewebte Teppich mit schwarzen abstrakten Details sowie dem Namen der Künstlerin und dem Datum seiner Fertigstellung erzählt davon, wie er geschaffen wurde. 


Tezi Gabunia, "Breaking News: The Flooding Of The Louvre", 2018
Installation (Detail), Maße variabel, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin


Tezi Gabunias Werk Breaking News: Flooding of the Louvre sind Fake News, die wahr sein könnten. Naturkatastrophen, die immer stärker mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht werden, haben den Louvre erreicht, eine Reaktion auf die Überschwemmungen in Paris 2018.
Der Künstler verwendet das Louvre-Modell aus seiner früheren Arbeit Put Your Head into Gallery, wo die Betrachter*innen ihren Kopf in die Modelle berühmter Museen steckten, die der Künstler in seinem Atelier nachgebaut hatte.
Indem er das Modell flutet, das auch sein eigenes Kunstwerk ist, setzt sich Gabunia mit dem Thema kultureller Überreste und der Frage des Recyclings auseinander. Das Fluten des Louvre erzählt von einer Nachrichtenkultur und unserer fluktuierenden Wahrnehmung von Katastrophen, von denen wir durch die Medien erfahren. Die Arbeit wird von einem Video mit dem Titel Breaking News begleitet. Das Video zeigt, wie das Wasser langsam in die Räume des Louvre fließt, so dass die Betrachter*innen zusehen können, wie das Innere des Museums nach und nach zerstört wird. Die Wirkung ist überzeugend, bedrohlich und fake. 


Tamar Nadiradze lässt sich ständig von ihrer Umgebung und den Menschen darin inspirieren, obwohl sie, wie sie kürzlich in einem Interview behauptet hat, vor allem sich selbst als ihre wichtigste Inspirationsquelle betrachtet.
Die Arbeiten der Künstlerin basieren auf Geschichten aus dem wahren Leben, die in märchenhafte Aquarellzeichnungen und Collagen verwandelt werden. Sie lassen sich mit Bilderbuch- beziehungsweise Märchenillustrationen vergleichen. Tamar Nadiradze setzt sich mit Themen des urbanen Lebens, gesellschaftlicher Verhaltensweisen, Ökologie und Menschenrechten auseinander, aber indem diese durch das Prisma ihrer Vision dargestellt werden, sind die Ergebnisse merkwürdig, überraschend und ein wenig verstörend.   


Levan Chelidze, "Magdalena", 2017
Öl auf Leinwand, 120 x 80 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



Levan Chelidze malt eine eklektische Mischung von Portraits – sowohl von Menschen als auch von Tieren –, Stillleben und Landschaften der georgischen Region Racha. In einem Zeitalter, in dem fast jeder eine Kamera in seinem Smartphone hat und viele Künstler*innen auf Fotografien als Grundlage von Portraits zurückgreifen, verfolgt Chelidze einen traditionellen Ansatz: Er verlangt, dass die Portraitierten für ihn posieren. Es gelingt ihm meisterhaft, ihre Gesichtszüge einzufangen. Aber er spielt auch mit Wahrnehmungen, indem er ihre „echte“ Form, wie er sie sieht, vor einem imaginären Hintergrund platziert. Was die Portraitierten in seinen Bildern tragen – oder manchmal auch nicht tragen – entstammt ebenfalls Chelidzes Fantasie und nicht unbedingt der Wirklichkeit. Die Figuren in seinen Gemälden sind meist schön, sexy und nobel. Er malt Menschen, die er bewundert.
Chelidzes Portraits können unfertig wirken, und manchmal sind sie das auch. Wenn  jemand nicht zu einer zweiten Sitzung erscheint, dann war es das – er beendet das Portrait und malt stattdessen den Hintergrund. Das gibt seinen Arbeiten eine entwaffnende Ehrlichkeit, sie werden emotional freier und weniger formell. 

Giorgi  Qochiashvilis imaginäre Landschaften und Interieurs sind häufig von dunkelhäutigen Menschen bevölkert. Bald nach seiner Geburt in Gagra, Abchasien, einer abtrünnigen Region in Georgien, floh Qochiashvilis Familie vor dem Krieg in der Region. Seine tropischen Landschaften basieren auf Familienfotos und der nostalgischen Sehnsucht seines Großvaters nach der verlorenen Heimat in Gagra. Als früherer Rugbyspieler ist Qochiashvili nach Südafrika gereist und hat die dortige Natur und die Menschen in Südafrika mit seiner Heimat Abchasien identifiziert, die er nie besuchen durfte. Das Ergebnis ist die surreale Verträumtheit und Farbgebung seiner Malerei. 


Ausstellungsansicht "Story as a woven Carpet", Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin


Unerwartete Kombinationen aus Beton, Bodenfliesen, Strickfäden und Textilien führen zu dramatischen Kontrasten zwischen den Bildern und den Materialien, die Salome Chigilashvili zu deren Herstellung verwendet. Die Künstlerin webt buchstäblich Muster traditioneller kaukasischer Teppiche in Bodendielen ein. Ihre in der Ausstellung gezeigte Arbeit Untitled (2019) ist ein mit weißem Faden besticktes braunes Papier. Saul Anton schreibt über Chigilashvili, dass „ihre Technik eine zurückhaltende Moderne des armen Menschen im 21. Jahrhundert erschafft. ... Ihre Arbeit ist bezeichnend für Georgiens aktuelle Situation, als ein Land voller junger Leute, die in die Zukunft blicken, aber eine uralte Geschichte und Kultur haben, der sie nicht entfliehen können“. 
Ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind Andro Eradzes Fotografien aus der Serie Fireworks, die eine bunte Explosion in einem Nachthimmel zeigt. Die Fotografien befinden sich in Rahmen aus Holz, deren „schützende“ Verglasung zerstört ist, als würde das Feuerwerk tatsächlich auf dem Bild explodieren. Indem er das Glas beschädigt, verwandelt Andro Eradze seine Fotos von bloßen Bildern in Wandskulpturen oder Objekte mit faszinierender Wirkung.


Salome Chigilashvili, "Untitled", 2018,
 BPA, 29 x 18 cm, Courtesy 68projects by Galerie Kornfeld, Berlin



"Story as a woven Carpet" kuratiert von Irena Popiashvili
6. September bis 16. November 2019

68projects
Fasanenstr. 68
10719 Berlin

Mehr Informationen unter:




Mittwoch, 11. September 2019

"Verknüpfungen" - Franziska Wolff, 07.09. - 13.10.2019, Stadtmuseum, Weilheim

Franziska Wolff, "Hängende Gärten", Detail


Franziska Wolff bespielt vom 7.9. bis 13.10.2019 in ihrer Ausstellung Verknüpfungen das gesamte Stadtmuseum. Vom Sonderausstellungsbereich bis ins Dachgeschoss treten die Arbeiten der Künstlerin in Kontakt mit den historischen Objekten und Raumsituationen des Museums. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmitteln faszinieren Franziska Wolff insbesondere textile Materialien. So kommen in ihren Arbeiten vor allem Stoffe, Netze, Bänder und Fäden zum Einsatz. Kleine figürliche Szenen – gestickt, genäht, gemalt – sind dabei ebenso zu sehen wie großflächige luftige Webereien in transparentem Netzmaterial, die abstrahierte Landschaften und Pflanzenstudien wiedergeben. Die zahlreichen inhaltlichen, formalen und kunstgeschichtlichen Verknüpfungen überziehen das Museum so mit einem temporären Netzwerk an Bezügen und Querverbindungen, die Objekte und Räume in neue und ungewohnte Zusammenhänge bringen.


Franziska Wolff - Verknüpfungen
Ausstellungsdauer: 7 September bis 13. Oktober

Stadtmuseum Weilheim
Marienplatz 1
82362 Weilheim

Öffnungszeiten:
Di - Sa: 10 - 17 Uhr
So: 14 - 17 Uhr
Montag geschlossen

Mehr Informationen unter:
 

Samstag, 7. September 2019

"Reizende Idylle" - Victoria Martini - Stickerei und Scherenschnitte, 13.09. - 26.09.2019, Literatur Moths, München


Victoria Martini





Reizende Idylle - Victoria Martini
 
Wir kommen in Frieden!
So sicher scheint es nicht – betrachtet man die neuesten Arbeiten von Victoria Martini. Und ein gewisses Unbehagen schleicht sich ein. Die neueste Werkgruppe der Künstlerin, die im September in der Buchhandlung Literatur Moths ausgestellt wird, widmet sich einer Serie von fiktiven Pflanzen-Hybriden. Ihre Anmutung erinnert an alte botanische Zeichnungen. Dabei hat die Künstlerin vorsätzlich Meeres- mit Erdpflanzen gekreuzt und aufwändig auf Nessel gestickt. In Anlehnung an die Stickarbeiten, entstand ein neuer Werkkomplex: die Scherenschnitte. Sie werden in dieser Ausstellung zum ersten Mal präsentiert.

Mögen die tradierten Techniken auf den ersten Blick die Lieblichkeit der Pflanzen unterstreichen, bleibt dennoch unklar, ob sich diese neuen Wesen in unserer Welt behaupten können und ob Sie uns Menschen bekömmlich sind.

Der Künstlerin geht es dabei nicht um die reale Möglichkeit neue Pflanzengattungen zu erschaffen.
Leicht und spielerisch sollen sie scheinen, doch steckt immer ein lauernder Schrecken, ein ernsthafterer Hintergrund in ihren Werken. Der Eingriff in die Natur und die gentechnische Manipulation von Pflanzen – Victoria Martinis Hybriden gedeihen in einer gereizten Idylle, einem gefährdetem und gefährdenden Lebensraum.



Victoria Martini


Vernissage am 12. September um 19 Uhr
Einführung von Regina Moths

Ausstellungsdauer: 13. September bis 26. September

Literatur Moths
Rumfordstr. 48
80469 München

Öffnungszeiten:
Mo - Fr: 10 - 19 Uhr
Sa: 10-16 Uhr

Mehr Informationen unter:
www.li-mo.com

Dienstag, 2. Juli 2019

"Bauhaus. Textil und Grafik", 05.05. - 04.08.2019, Kunstsammlungen Chemnitz

 

Otti BergerKinderzimmerteppich, 1929
Bauhaus Dessau
Abgewandelte Leinwandbindung, Baumwolle, merzerisierte Baumwolle, 187,5 x 112,5 cm
Kunstsammlungen Chemnitz
Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt




Den Kunstsammlungen Chemnitz ist es aufgrund ihrer umfangreichen und herausragenden Bestände möglich, vom 5. Mai bis zum 4. August einen besonderen Blick auf die künstlerische Tätigkeit der wenig beachteten Frauen am Bauhaus zu werfen. Schwerpunkt dieser Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum des Bauhauses sind Textilien, die in den 1920er-Jahren in der Weberei entstanden. Die Weberei gehörte zu den erfolgreichsten Werkstätten des Bauhauses, sowohl in Weimar als auch in Dessau. Zu sehen sind Arbeiten von Künstlerinnen wie Benita Koch-Otte, Otti Berger und Gertrud Arndt. Ergänzt werden die Stoffe durch Grafiken und Fotografien von Vertretern des Bauhauses Weimar und dessen Umfeld wie Marianne Brandt, Lyonel Feininger, Joost Schmidt, Max Pechstein und Kurt Schwitters.



Else Mögelin
Wandbehang Rotes Reh, 1927
Handweberei Else Mögelin, Gildenhall
Leinwandbindung, Baumwolle, Wolle, Seide, 271 x 157,5 cm
Kunstsammlungen Chemnitz
Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt




Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Reihe von großformatigen Behängen und Teppichen aus dem Bauhaus Weimar und Dessau von Künstlerinnen wie Benita Koch-Otte, Gunta Stölzl, Gertrud Arndt, Otti Berger, Else Mögelin und Ida Kerkovius. Neben Wandbehängen dokumentieren Musterstücke den vom Bauhaus seit den frühen 1920er-Jahren beschrittenen Weg vom künstlerischen Einzelstück zur industriellen Formgebung, aber auch die hohe ästhetische Qualität der Stoffe. Die bauhaustypische Entwicklung führte vom schmückenden Wandbehang als künstlerischem Einzelstück hin zu funktionalen Textilien für Stühle, Vorhänge und Wandbespannungen.


Gertrud ArndtFlügeldecke, 1927
Doppelgewebe, Leinwandbindung,
Viskose, 203 x 120 cm
Kunstsammlungen Chemnitz
Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt © VG Bild-Kunst, Bonn 2019







Ergänzt werden die Werke der angewandten Kunst durch druckgrafische Arbeiten von Vertretern des Bauhauses Weimar wie das berühmte Titelblatt Kathedrale von Lyonel Feininger für das Manifest und Programm des Staatlichen Bauhauses Weimar von 1919 sowie die 12 Holzschnitte des Künstlers von 1920. Die grafische Druckerei wurde während der gesamten Weimarer Zeit von Lyonel Feininger
geleitet, der vor allem durch seine Holzschnitte hervortrat. Freie Arbeiten von Paul Klee, Oskar Schlemmer und Willi Baumeister sind ebenso zu sehen wie Blätter aus dem Mappenwerk Neue europäische Graphik (erschienen bis 1924) mit Arbeiten auf Papier von Alexej von Jawlensky, Kurt Schwitters, Johannes Molzahn, Bernhard Hoetger, Max Pechstein, Christian Rohlfs und weiteren Künstlern. In den unterschiedlichen Bauhaus-Mappenwerken versammeln sich Werke der wichtigsten Protagonisten der modernen Malerei und Grafik. 



Diwandecke, 1929
Bauhaus Dessau
Doppelgewebe mit Füllschuss, Leinwandbindung, Baumwolle, Wolle, 200 x 126 cm
Kunstsammlungen Chemnitz Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt




Von der in Chemnitz geborenen Bauhauskünstlerin Marianne Brandt, die vor allem durch ihre Metallgestaltung berühmt wurde, sind zehn Originalfotografien aus ihrer Dessauer Bauhauszeit zu sehen. Ihre fotografischen Arbeiten zeichnen sich durch einen individuellen Stil aus, den Brandt durch extreme Auf- und Untersichten, scharfe Kontrastierungen von Hell- und Dunkelwerten, Spiegelungen, Licht- und Schattenspiele erreichte. Selbstporträts – bisweilen als Spiegelungen in metallenen Glaskugeln – gehen über die intellektuelle Motivation hinaus und zeigen eine Art von Selbstreflexion, die am Bauhaus sonst eher im Hintergrund stand.




Benita Koch-Otte
Wandbehang, 1922/1924
Bauhaus Weimar
Leinwandbindung mit Schützenwechsel, Baumwolle, Wolle, 180 x 110,5 cm
Kunstsammlungen Chemnitz
Foto: bpk/Kunstsammlungen Chemnitz/May Voigt © 2019 von Bodelschwinghsche Stiftungen
Bethel für das Werk von Benita Koch-Otte






Ein Musterbuch mit Bauhaustapeten sowie Drucke für Ausstellungen des Bauhauses selbst runden die Präsentation in den Kunstsammlungen am Theaterplatz ab. Darunter befinden sich das Plakat von Joost Schmidt für die Bauhausausstellung in Weimar 1923 und Postkarten, die Lyonel Feininger anlässlich dieses Ereignisses schuf.






Bauhaus. Textil und Grafik
Kunstsammlungen am Theaterplatz
5. Mai - 4. August 2019

Öffnungszeiten:
Di, Do-So, Feiertag 11-18 Uhr
Mi 14-21 Uhr

  

Mehr Informationen unter: